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Haflingerfohlen - geboren um zu sterben??? Ihr Leben ist kurz, ihr Leiden dauert umso länger. Jeden Herbst werden in Italien, Österreich und Bayern Haflingerfohlen versteigert, um anschließend im Schlachthof zu enden. Bevor steht den Tieren meist noch ein langer, leidvoller Transport nach Belgien, Frankreich, Italien oder in die Schweiz. Zu den Auktionen bringen die Bauern und "Züchter" ihre Fohlen selber, wenn diese sich aufgrund kleiner Schönheitsfehler wie z. B. dunkler Flecken, rote oder schwarze Strähnen im Behang etc. nicht zur Zucht eignen. Die "perfekten" Haflinger dagegen dürfen weiterleben um weiteren Nachwuchs zu produzieren. Gezüchtet wird in Massen, da ein Großteil der Fohlen den überzogenen Vorstellungen nicht entspricht. Die Trächtigkeit einer Stute dauert 11 Monate. Kurz nach der Geburt wird sie wieder gedeckt und somit beginnt der Kreislauf von Neuem: Geburt - Auktion - Schlachthof. So ist dem "Züchter" immer wenigstens der Schlachtpreis garantiert. Tierschützer fordern eine Zuchtbeschränkung und ein Exportverbot um das Leid der Tiere zu verhindern. Auch diese Tiere haben ein Recht auf ein artgerechtes Leben und verspüren Angst sowie Schmerz. Es liegt in Menschenhand ihnen ein leidensfreies Leben zu ermöglichen.
Report Mainz vom 13. Januar 2003 Züchter-Irrsinn – warum Haflinger-Fohlen im Schlachthof landen Moderation Bernhard Nellessen: Unser nächster Beitrag enthüllt ein Kapitel der Pferdezucht in Deutschland, das den meisten unter Ihnen unbekannt sein dürfte. Es geht um Haflinger-Fohlen, Tiere, die jedes Mädchenherz höher schlagen lassen. Was kaum einer weiß, über 90 Prozent der Fohlen sind von vornherein für den Schlachthof bestimmt – Ausschuss bei einer Zucht, die gnadenlos einem ganz bestimmten Schönheitsideal folgt. Sehen Sie den Bericht von Marina und Manfred Karremann. Bericht: Wieder einmal ist Gabi Gothe dabei, ein Fohlen zu kaufen. Besonders die Haflinger-Fohlen sind der Augenärztin aus Marburg ein Anliegen. Gerade mal vier Monate alt ist dieser kleine Hengst. Johannes soll er heißen. Gabi Gothe rettet Johannes heute vor seinem sicheren Tod. O-Ton, Gabi Gothe, Pferdeschutzhof Marburg: »Die Fohlen, die wir jetzt gekauft haben, die werden vorm Schlachter bewahrt und werden an einen guten Platz vermittelt. So haben wenigstens einige Fohlen die Chance zum Leben gehabt.« Einige wenige. Denn die meisten Fohlen nehmen einen anderen Weg. Ein Schlachthof in Rheinland-Pfalz. Wir drehen mit versteckter Kamera. Im Wartestall stehen acht Fohlen, wenige Monate alt, die meisten davon Haflinger. So genannter Zuchtüberschuss, die dunkle Kehrseite der idyllischen Reiterhöfe. Dieses Fohlen würde wohl manches Mädchen glücklich machen. Haflinger gehören zu den beliebtesten Pferderassen. Sie gelten als gutmütig und robust. Der Schlachthof hat einen guten Ruf. Der Pferdemetzger nimmt sich Zeit, beruhigt das Tier. Das Fohlen wird mit Bolzenschuss betäubt, stirbt dann wie alle Schlachttiere durch Entbluten. Hier endet das kurze Leben der meisten Haflinger-Fohlen – als Roulade, Fohlen-Schaschlik, Steak oder Wurst. Zwischen acht und zwölf Euro kostet das Kilo. Gabi Gothe unterhält bei Marburg einen Pferdeschutzhof. Nur wenige Tiere kann sie vor dem Metzger retten. Diese Fohlen haben Glück gehabt, denn bei Haflingern gilt eine strenge Zuchtauslese. Die Mähne und der Schweif zum Beispiel müssen absolut weiß sein, dann treffen die blonden Tiere den Modegeschmack. O-Ton, Gabi Gothe, Pferdeschutzhof Marburg: »Die Mode spielt auf jeden Fall eine Rolle. Es ist so, dass man vor allen Dingen helle Hellfüchse für die Zucht verwendet mit Blässe. Und wenn das Pferd Pech hat, das es zu dunkel ist oder gar schwarze Flecken im Fell hat oder in der Mähne Strähnen hat, dann hat es Pech gehabt und ist da schon aussortiert und geht zur Schlachtung.« Nur die wenigsten Fohlen entsprechen diesen Kriterien, doch jeder Züchter hofft auf den großen Wurf. Denn für ein Fohlen, das der gängigen Mode entspricht, gibt es richtig viel Geld. O-Ton, Gabi Gothe, Pferdeschutzhof Marburg: »Es ist an sich so, dass jeder hofft, ein Superfohlen zu ziehen. Dann würde er natürlich am meisten mit verdienen. Wenn das nicht so sein sollte, weiß er, dass er immer den Preis, den Schlachtpreis bekommt.« Das ist ein solches Superfohlen, die Elite aus Tausenden. Es wird hier auf der internationalen Fohlenauktion in Tirol versteigert. Davon träumen die meisten Züchter – 18.000 Euro für das perfekte Fohlen. O-Ton, Johannes Schweisgut, Präsident Welthaflingervereinigung: »Wenn man schaut, die Fohlen schauen doch alle sehr ähnlich aus. Sie haben alle eine weiße Mähne, sie haben eine Fuchsfarbe. Und vor allem sie müssen alle auch ein sehr aufmerksames Auge haben und zum Menschen orientiert sein. Und das ist dann für den Preis auch mit entscheidend.« 250 Elitefohlen werden hier angeboten. Schon das sind mehr, als für die Weiterzucht verkauft werden. Die Chance auf das große Geld ist also gering. Was macht die Zucht trotzdem so attraktiv? O-Ton, Haflingerzüchter: »Man züchtet deshalb, weil eben man hat die Pferde, und dann ist es ganz gleichgültig, ob die leer stehen oder ob sie trächtig sind. Und es ist doch eine kleine Einnahme, auch wenn es nicht sehr viel ist, aber es ist, wenn es zu Schlachtpreisen weggeht. Man will halt immer mehr haben.« Züchterlogik. Hauptsache eine Stute steht nicht leer und frisst nicht unnütz. Was aus den Fohlen wird, scheint vielen Züchtern gleichgültig zu sein. Wir besuchen einen Schlachthof in Österreich. Fohlen zu betäuben, erfahren wir, ist schwierig, auch für erfahrene Metzger. Fohlen sind überaus ängstlich. Der Metzger hat dem Fohlen mit dem Bolzenschussapparat in den Kopf geschossen. Jetzt sollte es eigentlich betäubt sein, das heißt, bewegungs- und empfindungslos daliegen. Der Schuss ist daneben gegangen, wie so oft bei Fohlen. Also noch mal. Wie viele Fohlen trifft dieses Schicksal? Er schickt seine Tiere nicht zum Großschlachthof, kennt aber als Fachmann die Zahlen. O-Ton, Haflingerzüchter: »Ja, 90 Prozent der gesamten Fohlenpopulation geht eben in die Schlachtung. Und das ist ein sehr großer Prozentsatz, ist aber bei vielen anderen Pferderassen eben gleich, nicht nur beim Haflinger. Und die Züchter müssten sich vielleicht überlegen, nicht jede Stute zu decken.« Neun von zehn Fohlen also landen im Schlachthof. Seine Fohlen aber bleiben auf dem Hof, denn er will ihnen Leid ersparen in Schlachthöfen, auf Transporten und Auktionen. Miesbach in Bayern. Im November ist sozusagen Schlussverkauf für Haflinger-Fohlen. Alles muss raus. Viehhändler kaufen hier auch für italienische Schlachthöfe den letzten Überschuss der Saison. Tierschützer fordern eine Beschränkung der Massenproduktion. Nebenan allerdings wird unbeeindruckt weiter verladen. Vor Ort fragen wir einen der Vorsitzenden des Oberbayerischen Zuchtverbandes. Zunächst gibt er uns Auskunft, doch das Interview gerät zur Farce: Der Mann zieht im nach hinein seine Aussagen zurück, will nicht gesehen oder gehört werden. Doch er hat uns eines klar gesagt: Zuchtbeschränkungen werde es nicht geben. O-Ton, Wolfgang Apel, Präsident Deutscher Tierschutzbund: »Wenn jetzt die Zuchtverbände nicht aufhören, weiter auf Teufel komm raus Pferde zu züchten, dann muss ich sagen, das sind kriminelle Machenschaften, denn sie wissen, dass diese Tiere brutalst weiter transportiert werden und dann eigentlich dem sicheren Tod entgegensehen.« Für die meisten Fohlen aus Deutschland und Österreich heißt das: ab nach Italien. Im Stall eines Importeurs bei Padua – Fressen für mehr Schlachtgewicht. Eine kurze Mast ist die Regel. Auch solche Fohlen stehen hier im Stall – eine Transportverletzung. Verkauft werden die Tiere oft über Viehmärkte wie diesen am Gardasee. Wir sehen zu Tode erschöpfte Fohlen verschiedener Rassen. Die Tiere kommen direkt aus Österreich, sind bereits verkauft an einen Schlachthof weiter südlich in Italien. Ihre Reise ist also noch nicht zu Ende. Und diese Haflinger hat heute niemand gekauft. Das bedeutet Weitertransport auf andere Märkte, eine Odyssee. Schließlich endet die Reise immer im Schlachthof. Die Züchter wissen das, züchten trotzdem weiterhin Überschuss. In großen Schlachthöfen wie diesem in der Nähe des Gardasees kommt der Tod im Akkord. Verzögerungen sind nicht einkalkuliert. Eine Minute hat ein Pferd Zeit, um zu sterben. Auch Fohlen stehen schon im Treibgang. Eine Wasserdusche soll sie beruhigen. Zeit ist Geld, zwei Fohlen in einer Box. Fachgerechtes Betäuben – hier interessiert das niemanden. O-Ton: »Wer vom Tierhandel profitiert, dem sei die Pleite garantiert!« Immer heftiger protestieren Tierschützer auf Pferdeauktionen wie hier bei Salzburg vor einigen Wochen. O-Ton: Wer vom Tierhandel profitiert, dem sei die Pleite garantiert!« Wir fragen Viehhändler und Züchter nach ihrer Meinung. Die Stimmung ist gereizt, nur ein Großaufgebot an Bundespolizei verhindert eine Eskalation wie die vor zwei Jahren. Aktivisten von „Animal Peace“ unterbrechen eine Fohlenauktion, entfalten Transparente, ketten sich an. Die Viehhändler reagieren mit Gewalt – gegen Männer wie Frauen. Kurze Zeit später – ein schwer verletzter Tierschützer. Die Aktion endet mit dem Eintreffen des Notarztes. Geändert hat sich nichts. Die Massenzucht geht weiter. Auch wenn Tierschützer einzelne Fohlen vor diesem Schicksal bewahren, es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. O-Ton, Gabi Gothe, Pferdeschutzhof Marburg: »Also es ist nicht Lösung des Problems, dass wir alle Fohlen aufkaufen, sondern wir können eigentlich nur mit dem Aufkauf einzelner Fohlen darauf hinweisen, dass diese Massenproduktion der Fohlen besteht und können so einzelne Fohlen vorm Schlachten bewahren.« Demnächst werden die Fohlen für diese Saison geboren. Schon wenige Tage später werden ihre Mutterstuten erneut gedeckt, damit es nach elf Monaten Tragezeit wieder Nachschub gibt – für 2004. Quelle: Report Mainz Auch wenn dieser Bericht schon von 2003 ist, so ist das Thema leider noch immer aktuell. Auch dieses Jahr im Herbst wird es wieder etlichen Fohlen so ergehen, da die "Züchter" nicht umdenken und teilweise auch noch aus "Tradition" züchten. Links zu diesem Thema:
Solange Menschen denken, dass Tiere nichts fühlen, müssen Tier fühlen, dass Menschen nicht denken! |